Schwangerschaft – körperliche Veränderungen einfach erklärt

Schwangerschaft bedeutet viele körperliche Veränderungen, die meist ganz normal sind. Hormone, Herz-Kreislauf- und Lymphsystem sowie Muskeln und Bänder passen sich auf Wachstum und Geburt an. Dadurch können Beschwerden wie Schweregefühl, Schwellungen, müde Beine und Füße, Krampfadern, kribbelnde Finger oder Rückenschmerzen entstehen.

Die gute Nachricht:

Mit Kompressionsversorgungen, stabilisierenden Bandagen und Orthesen lassen sich viele Beschwerden sanft, sicher und alltagstauglich lindern.

Wichtig: Wenn du unsicher bist oder stärkere Beschwerden hast, sprich bitte immer mit deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen.

Hormone – die heimlichen Regisseure deiner Veränderungen

Neben dir und deinem Baby sind Hormone die absoluten Hauptdarsteller in deiner Schwangerschaft. Da tut sich einiges, denn während der Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt erheblich, und genau diese Hormone sind die Hauptursache für viele deiner körperlichen Veränderungen.

In der folgenden Tabelle haben wir die Hormone, deren Aufgaben und Veränderungen für dich aufgelistet:

Nicht alle Spalten sind sofort sichtbar. Wische die Tabelle nach rechts, um weitere Informationen zu entdecken.

Hormon Notwendig für Mögliche Veränderungen und Beschwerden
Progesteron
Erhalt der Schwangerschaft, Entspannung der Muskulatur
Müde und schwere Beine, verlangsamter Blutfluss, erhöhtes Risiko für Krampfadern
Relaxin
Lockerung von Bändern und Gelenken (Vorbereitung auf Geburt)
Instabilität im Becken, Rückenschmerzen, „zwickende“ Gelenke
Östrogene
Wachstum von Gebärmutter und Gewebe, Durchblutung
Wassereinlagerungen, Spannungsgefühle, empfindliche Haut
Aldosteron
Reguliert den Wasser- und Salzhaushalt
Schwellungen in Füßen, Händen und Knöcheln (Ödeme)
humanes Choriongonadotropin (hCG)
Unterstützung der frühen Schwangerschaft, Hormonsteuerung
Übelkeit, Erschöpfung (v. a. im 1. Trimester)

Damit du dich trotz Veränderungen und Beschwerden im Alltag wohler fühlst, gibt es praktische Hilfen und echte Gamechanger. Im folgenden erklären wir dir alles genauer.

Kreislauf & Venen in der Schwangerschaft

Zu den typischen körperlichen Veränderungen gehört auch, dass dein Kreislauf stärker gefordert ist. Dein Blutvolumen nimmt zu, die Venen erweitern sich und zusätzlich drückt das wachsende Baby auf die Beckenvenen.

Kein Wunder also, dass sich deine Beine müde und schwer anfühlen können. Manchmal treten sogar sichtbare Venen oder Besenreiser (Varizen) auf. Oft verstärkt sich das am Abend. Blut, das nicht im normalen Tempo aus den Beinen abtransportiert wird, kann in seltenen Fällen verklumpen und so zu einer Thrombose werden – also einer Verstopfung der Vene, die gefährlich werden kann, wenn sich der Blutpfropf löst und Richtung Lunge wandert.

Gut zu wissen: Gegen diese Beschwerden und Risiken kannst du etwas tun – und das sogar recht einfach:  Medizinische Kompressionsstrümpfe können hier spürbar helfen.

Lymphsystem & Ödeme – die typischen “Wassereinlagerungen”

Während der Schwangerschaft kann es zu Wassereinlagerungen kommen, die sich vor allem an Knöcheln, Unterschenkeln und Füßen bemerkbar machen – aber auch an den Händen oder anderen Körperbereichen. Typisch ist, dass die Schwellungen morgens oft etwas besser sind. Abends passt dann kein Schuh mehr.

Diese körperlichen Veränderungen entstehen durch die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft und die erhöhte Belastung des Lymphsystems, das für den Abtransport von Reststoffen wie Eiweißen oder Viren zuständig ist.

Bewegungsapparat – Rücken, Becken & Handgelenke

Zu den körperlichen Veränderungen in der Schwangerschaft gehören auch gelockerte Bänder. Gleichzeitig verlagert sich dein Körperschwerpunkt. Deshalb müssen die Lendenwirbelsäule und das Iliosakralgelenk an der Verbindung zwischen Wirbelsäule und Becken mehr leisten. Verspannte Muskeln als Folge dieser veränderten Lastverteilung können Rückenschmerzen auslösen. 

Auch die Nerven bleiben manchmal nicht verschont: Flüssigkeitseinlagerungen im Karpaltunnel im Handgelenk führen häufig zur Quetschung des Nervs. Typisch sind Kribbeln, Taubheitsgefühle und nächtliche Schmerzen. Der wachsende Bauch kann auch Druck auf den Ischiasnerv ausüben, während gelockerte Bänder und veränderte Körperhaltung ihn zusätzlich reizen. Das kann zu ziehenden Schmerzen im unteren Rücken führen, die bis ins Gesäß oder Bein ausstrahlen. Beide Nerven beruhigen sich meist nach der Geburt.

Was hilft: Zur Entlastung von Bauch, Becken und Lendenwirbelsäule eignen sich Becken- und Rückenstützgurte. Bei Beschwerden durch das Karpaltunnelsyndrom helfen Handgelenkorthesen, besonders nachts. Sanfte Kräftigungsübungen für Beckenboden, Gesäß und Rücken sowie kurze Entlastungsphasen unterstützen dich im Alltag.

Oder hole dir ein paar praktische Helferlein wie einen langen Schuhlöffel oder einen Fußhocker. Hilfe anzunehmen, ist nicht schwer – also lass dir von deinen Liebsten auch mal die Tasche tragen oder etwas vom Boden aufheben. 

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Weitere körperliche Veränderungen in der Schwangerschaft

  • Haut und Bindegewebe leisten echte Dehnarbeit. Manchmal mit Souvenirs in Form von Dehnungsstreifen oder Juckreiz. Sanfte Pflege kann hier wohltuend unterstützen.
  • Die Brüste wachsen sichtbar und fühlen sich oft gespannt an, daher sind gutsitzende Schwangerschafts- oder Still-BHs Gold wert.
  • Der Magen arbeitet etwas gemächlicher, weshalb Sodbrennen und Verstopfung häufiger auftreten. Kleine, ballaststoffreiche Mahlzeiten und ausreichendes Trinken sind empfehlenswert.
  • Das Immunsystem reagiert sensibler, deshalb besonders achtsam sein bei Infekten. Auch Zähne und Zahnfleisch können empfindlicher sein und leichter bluten – plane am besten eine zusätzliche Prophylaxe ein.

Mythen & Fakten

FAQ – häufige Fragen zu körperlichen Veränderungen in der Schwangerschaft

Wie verändert sich der Körper, wenn man schwanger ist?

Hormone weiten Gefäße, lockern Bänder und erhöhen das Blutvolumen. Das kann u. a. zu Schwellungen, müden Beinen, Besenreisern und Krampfadern, Rücken- und Beckenbeschwerden sowie Haut- und Verdauungsveränderungen führen. Kompressionsstrümpfe und Bandagen können diese Beschwerden lindern.

 

Welche körperlichen Veränderungen treten im Verlauf der Schwangerschaft auf?

Im 1. Trimester überwiegen hormonelle Effekte wie Müdigkeit und Übelkeit. Im 2. und 3. Trimester nehmen Venen- und Lymph-Beschwerden sowie Becken- und Rückenschmerzen zu, bedingt durch steigendes Gewicht von Mama und Baby, neue Gewichtsverteilung und erhöhten Druck auf Beckenvenen. Auch der Ischiasnerv kann eingeengt und dadurch gereizt werden. Aber auch Folgeprobleme durch die Lymphbeschwerden treten auf – z. B. das Karpaltunnelsyndrom.

 

Sind geschwollene Beine normal – und was hilft?

Leichte Schwellungen sind häufig. Medizinische Kompressionsstrümpfe, Bewegung, Hochlegen der Beine und ausreichendes Trinken helfen. Bitte lass das trotzdem ärztlich abklären – vor allem wenn die Schwellung einseitig oder schmerzhaft ist.

 

Darf ich in der Schwangerschaft Kompressionsstrümpfe tragen?

Ja, sie sind bewährt und sicher. Die richtige Kompressionsklasse legt deine Ärztin oder dein Arzt fest. Bei Kompressionsstrumpfhosen gibt es sogar spezielle Schwangerschaftsmodelle mit komfortabler Bauchzone. Vielleicht bringen dir aber auch schon Kniestrümpfe die gewünschte Erleichterung.

 

Kann ich bei Karpaltunnelsyndrom eine Orthese in der Schwangerschaft tragen?

Ja. Eine Handgelenksschiene bzw. -orthese kann den Druck und damit das Kribbeln und Einschlafen deiner Finger reduzieren. Bitte sprich hierzu mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt bzw. mit einer Neurologin oder einem Neurologen.

 

Was verändert sich am Körper nach der Schwangerschaft?

Schwellungen und Venenbeschwerden bessern sich oft in den ersten Wochen. Auch ein Karpaltunnelsyndrom, also einschlafende, schmerzende Finger, oder Ischiasprobleme sind meist kurz nach der Geburt deutlich besser. Bänder brauchen Zeit, um wieder fester zu werden. Rumpf- und Beckenbodentraining unterstützt die Rückbildung der Gebärmutter. Hier solltest du nicht übermotiviert sein, denn das aktive Training sollte nicht zu früh begonnen werden. Am besten sprichst du dieses Thema bei deiner Hebamme oder deinem nächsten Arztbesuch an und nutzt dann das Angebot von Rückbildungskursen.

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